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Warum ich Gasiigänger bin

Nadine

Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Tag als Hundepatin erinnern - dieser Tag hat mein damaliges Leben, meinen Tagesablauf und meine Prioritäten verändert. Seitdem bemühe ich mich sehr, möglichst jeden Tag ins Tierheim zu kommen und den Hunden dort ein wenig Bewegung zu verschaffen, wie es glücklicherweise auch viele Gleichgesinnte tun, ob nun bei Regen oder Sonnenschein.

Ich habe hier sehr viel über Hunde gelernt, sei es nun im Umgang und Beobachten der unterschiedlichen Charaktere und Persönlichkeiten und auch den Signalen, die die Hunde sich untereinander geben und auch im Umgang mit uns Menschen verwenden. Oder aber, dass ich die Mitarbeiter gelöchert und wirklich schon sehr oft mit Fragen belagert habe...hier noch einmal vielen lieben Dank, dass ihr mie immer Fragen so geduldig beantwortet!!!

Es erstaunt mich immer wieder, wie unglaublich geduldig, anpassungsfähig, lieb, offen und bereitwillig jeder dieser Hunde ist. Sich manchmal täglich mit neuen Menschen, deren Macken, Verhaltensweisen und Gepflogenheiten auseinander setzen zu müssen...

Inzwischen habe ich "meine" Hunde, die mich und meine Macken mittlerweile wahrscheinlich gut kennengelernt, einzuschätzen und manchmal auch auszunutzen wissen. Ich nehme mir immer vor, mich nicht neu in einen Hund zu vergucken, ihn nicht zu meinem Liebling zu erklären - bisher war dies aber immer vergeblich. Und es ist ja eigentlich auch nichts weiter schlimm daran, obwohl viele Paten hiervor Angst haben. Es ist natürlich nicht immer leicht, sich von einem lieb gewonnen Hund zu verabschieden. Dennoch geht es ihnen bei ihren neuen Familien meistens auch viel besser, als es ihnen zuvor jemals ergangen ist. Und ich bin glücklich und auch ein wenig stolz darauf, diese Hunde wenigstens ein Stück weit in ihrem Leben begleitet haben zu dürfen.Außerdem schafft ein vermitteltes Tier auch wieder Platz für ein in Not geratenes Tier.

Ich werde oft von Außenstehenden gefragt, ob es nicht unglaublich schwierig ist, sich auf einen fremden Hund einzulassen. Man tut sich selbst und schließlich auch dem Hund etwas Gutes! Es ist eine Art sportliche Betätigung, die (wer regelmäßig joggen geht, wird das auch kennen) zum einen ein klein wenig zur Sucht werden kann, noch dazu verbringt man diese Zeit in reizender Begleitung, die einen so akzeptiert, wie man sich gibt, die keine Forderungen, Ansprüche oder Verpflichtungen an einen stellt.

Einer der Gründe, warum ich Tiere liebe - vor allem Hunde...

Das Glänzen in Briskas Augen, wenn ich einen Ball aus meiner geheimnisvollen Überraschungstasche zaubere, dass kurze Einfrieren, wenn ich den Arm zum Werfen hebe. Ben, der seinen Kopf schräg legt und ganz verzückt dreinschaut, wenn er ein Quietschie hört, der es liebt, zwischen den Beinen des Hundeführers "durchzutauchen" um sich dabei den Rücken massieren zu lassen. Christina, die gerne im hohen Gras verstecken spielt und Krümel, der sich nach dem Niesen auch gerne mal die Nase an meiner Hose abwischt (mehrmals!) oder wenn er einen neuen Laubhügel ansteuert, um mit sichtbarem Vergnügen durchzurascheln...

Dies sind die kleinen Momente, die mich zum Lächeln bringen, die jeden Spaziergang zu etwas ganz besonderem machen, die mich so manch anstrengenden Nachtdienst vergessen lassen und die mich letztendlich - wenn es denn geht - jeden Tag, bei Wind und Wetter aufs Neue zum Spaziergang kommen lassen.

Hier finde ich Ruhe und Zeit zum Abschalten. Und ich hoffe sehr, dass ich eines Tages mit meinem eigenen Hund heir rauslaufen werde, weiterhin aber natürlich noch Hundepatin sein kann.

N. L.