Schriftgröße: A A A A

Kaninchenhaltung - Nicht so leicht wie es scheint

Kaninchen werden oft als pflegeleichte Haustiere abgetan.

Sie brauchen kaum Platz, machen keinen Lärm und lassen sich gerne bekuscheln.

Solche und ähnliche Meinungen sitzen leider noch immer in vielen Köpfen fest.
Dabei sind Kaninchen keineswegs so anspruchslose Kuscheltiere, wie ihr Ruf vermuten lässt.

Die wichtigsten Dinge vorweg: Artgleiche Gesellschaft

Kaninchen sind Gruppentiere, in der Natur leben sie in festen Verbänden von mindestens drei Tieren zusammen.

Kein Kaninchen darf alleine gehalten werden. Einzelhaltung ist Tierquälerei. Jedes Kaninchen braucht mindestens einen artgleichen Partner. Die Tiere kuscheln miteinander, wärmen sich, putzen sich und unternehmen die meisten Dinge gemeinsam. Mindestens ein artgleicher Partner ist Pflicht, in einigen Ländern ist die Einzelhaltung, unter anderem von Kaninchen, bereits verboten.

Wenn man zwei Kaninchen hält, entscheidet man sich am besten für ein Weibchen und einen kastrierten Rammler. Rammler müssen immer kastriert sein, da sie zum einen unter ihrem aufgestauten Trieb leiden und zum anderen, weil sie ansonsten natürlich ständig Nachwuchs produzieren und auf gleichgeschlechtliche Konkurrenten sehr aggressiv reagieren.

Nach Möglichkeit ist der Rammler einer Frühkastration zu unterziehen. Das heißt, eine Kastration vor der Geschlechtsreife. Im Durchschnitt werden männliche Kaninchen ab der zwölften Woche zeugungsfähig. Vertreter größerer Rassen etwas später. Wird der Rammler erst kastriert, wenn er bereits zeugungsfähig ist, muss eine Kastrationsquarantäne von vier bis sechs Wochen abgewartet werden. So lange kann er nämlich noch Nachwuchs produzieren. Außerdem brauchen die Hormone eine gewisse Zeit, biss sie abgebaut sind und ein frisch kastrierter Rammler ist dementsprechend aggressiver im Rangkampf.

Zwei Rammler vertragen sich nur bis zur Geschlechtsreife gut, danach fangen meist heftige Rangkämpfe an, die mit schlimmen Verletzungen und im Extremfall tödlich einhergehen. Eine Kastration schafft Abhilfe. Allerdings verstehen sich auch zwei kastrierte Rammler meist nur bedingt, die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann zu Streit kommt, ist sehr hoch.

Zwei Weibchen leben selten friedlich zusammen und meist nur dann, wenn sie viel Platz zur Verfügung haben und sich von Kindesbeinen an kennen. Meist fangen auch hier mit eintretender Geschlechtsreife (Weibchen werden im Durchschnitt mit sechzehn Wochen geschlechtsreif). Oft traktiert das dominantere Tier das unterlegene, reist ihm Fell raus und fügt ihm auch oberflächliche bis tiefere Wunden zu.

Sollten sich zwei gleichgeschlechtliche Tiere nicht mehr vertragen, schafft ein Gegengeschlechtliches meist Abhilfe.

Größere Gruppen, ab drei Tieren funktionieren am besten, wenn beide Geschlechter vertreten sind.Dabei muss es nicht zwangsläufig die gleiche Anzahl an Weibchen und kastrierten Böckchen sein. Weibchen haben meist ein größeres Revierbewusstsein und man sagt ihnen nach, allgemein etwas zickiger und streitlustiger zu sein…

Eine denkbar ungünstige Kombination sind ein Kaninchen und ein Meerschweinchen. Ein Meerschweinchen oder ein anderes artfremdes Tier ist absolut kein Ersatz für ein Partnertier. Meerschweinchen und Kaninchen sprechen eine völlig andere Sprache, haben absolut verschiedene Bedürfnisse im Sozialverhalten und in der Ernährung. In ihrer Einsamkeit scheint es manchmal so,als würden sich die beiden Tiere mögen, aber dieses Verhalten entsteht eben nur durch ihrer Verzweiflung alleine zu sein. Um sich das Zusammenleben mit einem Meerschweinchen vorzustellen… wollten Sie ihr gesamtes Leben nur mit einem Affen verbringen?

So sehr Kaninchen die Gesellschaft von Artgenossen auch benötigen, so kompliziert sind sie in der Zusammenführung mit einem neuen Tier.

Vergesellschaftung

Sicher hat beinahe jeder schon einmal davon gehört, die Zwei sich fremden Kaninchen in zwei Käfigen aneinander zu stellen und sie sich durch Gitterstäbe beriechen zu lassen… solche Aussagen sollten ganz schnell vergessen werden. Kaninchen haben ihre eigenen Regeln. Zwei oder mehrere sich fremde Kaninchen sollten zunächst so untergebracht werden, dass sie sich weder sehen, noch riechen, noch hören können.

Für die Zusammenführung muss ein Ort ausgewählt werden, der für alle Tiere völlig neutral ist, das heißt ein Ort, an dem keiner bisher war und an den keiner der Tiere Besitzansprüche stellt. Wenn es keinen neutralen Raum gibt, kann auch ein bereits Benutzter zu einem Neutralen gemacht werden. Alles muss vorher aber auf das gründlichste gereinigt und alle Duftmarkierungen entfernt werden. Gut neutralisieren kann man zum Beispiel mit Glasreiniger. Dieser ist preiswert, hinterlässt keine Flecken und sorgt dafür, dass sogar die für den Menschen nicht wahrnehmbaren Kinnmarkierungen verschwinden.

Am Abend vor der Vergesellschaftung sollten die Tiere nur noch Heu und Wasser zu fressen bekommen. In dem neutralen Gehege verteilt man dann viel gesundes Futter, das lenkt während der Vergesellschaftung ab. Das Gehege sollte natürlich ausreichend groß sein, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen können. Es darf aber auch nicht zu groß sein, da so die Gefahr besteht, dass sich die Tiere einfach aus dem Weg gehen und sich die Zusammenführung unnötig lange hinzieht. Für zwei Tiere sind ungefähr vier Quadratmeter ideal. Solange die Tiere um den rang kämpfen, kann die zeit genutzt werden, das eigentliche Gehege der Langohren, komplett zu reinigen und zu neutralisieren. Wenn sich fremde Kaninchen begegnen, kommt es beinahe unweigerlich zu Rangkämpfen. Das liegt daran, dass Kaninchen in einem festen Hierarchieverhältnis leben, zwei gleichgestellte Tiere gibt es nicht. Die Kämpfe dienen der Festlegung der Rangordnung und sind völlig normal.

Die Tiere jagen sich heftig, reisen sich Fell heraus, treten sich mit den Hinterläufen und es kommt schon mal zu kleineren Verletzungen (häufig an den Ohren, da hier die Haut sehr dünn ist). Dies ist kein Grund die Tiere zu trennen, sondern völlig normal, meist sieht es viel schlimmer aus, als es tatsächlich ist, auch wenn die Tiere dabei sehr gestresst wirken. Wichtig ist es auch, die Tiere, wenn sie einmal zusammen sind, nicht mehr zu trennen. Auch nicht in der Nacht. So eine kurzzeitige Trennung bedeutet extremen Stress für die Kaninchen. Die Tiere sind bei der Austragung der Rang unterbrochen worden und müssen am nächsten Tag, wenn sie erneut zusammengesetzt werden, noch einmal von vorne anfangen die Rangordnung zu klären. So zeiht sich die ohnehin schon anstrengende Zusammenführung unnötig in die Länge.

Trennen sollten sie die Tiere nur, wenn es zu wirklich blutigen Verletzungen kommt. (kleinere Bisswunden oder ein Durchlöchertes Ohr zählen nicht…) Wenn man sich allerdings an alle Regeln gehalten hat, ist dies nur sehr selten der Fall. Nach Versorgung der Wunde (eventuell durch den Tierarzt) sollten die Tiere noch einmal komplett, das heißt ohne Sicht- und Geruchskontakt getrennt werden. Nach zwei Wochen (Kaninchen haben ein Kurzzeitgedächtnis und vergessen sich in dieser Zeit) kann eine wie oben beschriebene Vergesellschaftung noch einmal durchgeführt werden. Eine Vergesellschaftung kann einige Stunden, aber auch Wochen oder gar Monate dauern. Die Kaninchen dürfen erst in das richtige Gehege gesetzt werden, wenn sie sich auf neutralem Boden verstehen. Setzt man sie dann in das geruchsneutrale alte Gehege, kann es noch einmal zu Kämpfen kommen, die aber meist weniger heftig ausfallen.

Wenn die Kaninchen dann das erste mal friedlich nebeneinander fressen, miteinander kuscheln oder sich gar putzen, weiß man, dass sich der gesamte Aufwand gelohnt hat.

Wichtig: Jungtiere unter vier Monaten dürfen nicht mit ausgewachsenen Tieren vergesellschaftet werden, da sie den ausgewachsenen Tieren körperlich nicht gewachsen sind. Außerdem haben sie eine ganz dünne haut, sodass es schon bei kleinen Bissen zu schweren Verletzungen kommen kann.

Platz, Platz und noch mal Platz

Kaninchen haben ein sehr hohes Bewegungsbedürfnis, vergleichbar mit dem einer Katze. Eine Katze allerdings würde man (zum Glück) niemals ein in einen Käfig stecken. Warum tut man es dann den Kaninchen an?

Ein handelsüblicher Käfig und sei er noch so groß oder doppelstöckig, kann niemals eine artgerechte Unterbringung für Kaninchen sein. Auch eine stundenweise Unterbringung ist nicht artgerecht. Pro Kaninchen müssen mindestens zwei Quadratmeter zur Verfügung stehen und da man Kaninchen nicht einzeln halten darf, müssen schon mindestens vier Quadratmeter den Kaninchen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Für jedes weitere Tiere rechnet man zwei m² zusätzlich an Platz. Trotzdem benötigen die Tiere mehrere Stunden Auslauf am Tag. Hat man keine Möglichkeit zum zusätzlichen Freilauf oder hat man ein Außengehege, müssen es mindestes drei Quadratmeter pro Nase sein. Da es solche Käfige oder Ställe eben nicht zu kaufen gibt, (in einigen Ländern ist auch die Käfighaltung verboten) muss selbst etwas basteln. Zum Beispiel kann man sich Freilaufgitter oder Welpengitter besorgen und diese um den Käfig herum aufbauen. Das Gitteroberteil sollte abgenommen werden (Verletzungsgefahr bei drauf springen) und die Unterschale kann als Toilette dienen. Da nicht alle Kaninchen stubenrein sind, sollte der Boden beispielsweise durch PVC geschützt werden. Auch eine Trinkflasche gehört in kein Gehege. Die Nippeltränke zwingt das Kaninchen dazu, eine völlig unnatürliche Kopfhaltung einzunehmen. Außerdem kommt das Wasser nur Tröpfchenweise heraus, was bei großem Durst sehr unangenehm sein kann. Auch sind diese Flaschen sehr unhygienisch, da man zum säubern nicht richtig ran kommt, bilden sich Algen und es kann sich sogar Rost bilden, der zu Verletzungen führen kann. Ein Artgerechtes Gehege sollten außerdem mehrere Möglichkeiten zum Verstecken bieten. Natürlich darf auch eine Kiste zum buddeln (mit Sand oder Laub gefüllt) und Äste zum knabbern nicht fehlen.

Kaninchen sind dämmerungsaktiv und dürfen gerade deshalb auch nicht nachts in einen Käfig oder Stall gesperrt werdend.

Bei Außenhaltung muss darauf geachtet werden, dass kein Marder, Fuchs oder andere Raubtiere rein kommen und kein Kaninchen raus kommt. Kaninchen leiben es zu buddeln, in der Natur legen sie richtige unterirdische Bauten an, unsere Hauskaninchen buddeln nicht weniger gerne, deshalb ist es unvermeidbar, das Gehege von unten durch Steinplatten oder Draht zu sichern. Der im Handel erhältliche "Kaninchendraht" ist nicht für ein Außengehege geeignet, ein Marder hat keine Probleme damit, diesen durchzubeißen. Deshalb muss mit Volierendraht gearbeitet werden. Das Minimum von sechs m² ist in Außenhaltung auch deshalb so wichtig, damit die Kaninchen sich bei eisigen Temperaturen warmhoppeln und die Körpertemperatur konstant halten können. Kaninchen kommen sehr gut mit Kälte zurecht, (viel besser als mit Hitze) es ist aber wichtig, sie rechtzeitig an die Außentemperaturen zu gewöhnen. Hierfür darf es nachts nicht mehr unter vierzehn Grad fallen.

Artgerechte Ernährung

Das Grundnahrungsmittel ist Heu. Nur Heu sorgt Für eine geregelte Verdauung und für den nötigen Zahnabtrieb. Heu muss immer in ausreichender Menge und in guter Qualität zur Verfügung stehen. Deshalb ist es wichtig, ein Heu zu finden, das die Kaninchen auch wirklich gerne fressen. Bei Heu Darf nicht am Geld gespart werden, oft muss man Verschiedene Sorten ausprobieren, bis man das Passende gefunden hat. Die Geschmäcker sind Durchaus verschieden. Gutes Heu erkennt man Daran, dass es viele verschiedene Kräuter enthält, nicht staubt oder schimmelt und einen guten frischen Geruch verströmt. Getreide gehört nicht in einen Kaninchenmagen. Deshalb sollte auf die im Handel üblichen Trockenfuttermischungen verzichtet werden. Getreide verklebt den Magen und kann zu gravierenden Verdauungsproblemen führen, die im schlimmsten Fall tödlich enden. Außerdem macht Getreide sehr satt, sodass Kaninchen viel weniger heu zu sich nehmen und nur Heu sorgt eben dafür, dass das Kaninchen vor Zahnspitzen an den Backenzähnen (die meist unter Narkose entfernt werden müssen) verschont bleibt. Außerdem finden Kaninchen in freier Wildbahn auch kaum Getreide. Nur in den Herbstmonaten werden kleine Mengen gefunden und dann wird es benötig, um sich einen Speckvorrat anzufressen, um über den Winter zu kommen. Dass Trockenfutter hier ganz selbstverständlich gefüttert wird, liegt daran, dass unsere Hauskaninchen von Mastkaninchen abstammen, die zur Fleischgewinnung dienten. Wer trotzdem Trockenfutter füttern will, sollte sich für ein Getreidefreies aus gut sortierten (Online) Shops besorgen. Ab und zu darf aber ein wenig Getreide, zum Beispiel in Forum eines kleinen Maiskolben, als Leckerchen verteilt werden. Ein Kaninchen, das lange Zeit an Trockenfutter gewöhnt war, darf nicht von heute auf morgen von diesem entwöhnt werden. Die Umstellung muss langsam über einen Zeitraum von vier Wochen erfolgen. Hierbei wird das Trockenfutter täglich reduziert.

Abgesehen von Heu, sollte frisches Gemüse und ein wenig Obst auf dem täglichen Speiseplan stehen.

Hier eine kleine Auswahl:

Apfel, rote Beete, Brokkoli, Rosenkohl, Salat, Möhren mit Grün, Sellerie, Blumenkohlblätter, Chicoree, Koriander, Kohlrabiblätter, Petersilie, Birne, Pastinake, Radieschen, Spinat (in Maßen) Kohlrüne und Brunnenkresse. Auch vom Brombeerstrauch, Himbeerstrauch, Vogelmiere, Löwenzahn, Huflattich, Hibiskus, Wegerich, Distel, Wicke, Wildbeeren und Schafgarbe dürfen die Nager etwas bekommen.

Krankheiten und Impfungen

Darmparasiten und Würmer

Bevor ein neues Kaninchen Einzug hält, sollte der Kot des Tieres im Labor auf Darmparasiten untersucht werden. Für Jungtiere, ohnehin geschwächte oder kranke Tiere können Darmparasiten schnell tödlich enden. Bei gesunden Tieren zeigen sich Darmparasiten, wenn überhaupt, durch breiigen bis wässrigen Durchfall.

Schnupfen

Gegen Kaninchenschnupfen gibt es mittlerweile eine Impfung, diese ist aber nicht empfehlenswert, da es viele verschiedene Schnupfenerreger gibt und durch die Impfung nur wenige Erreger abgedeckt werden. Sollte ein Tier bereits latent (ohne Symtome) mit einem oder mehreren Schnupfenerregern infiziert sein, kann eine Impfung zu schweren Schnupfenausbrüchen führen. Wenn bei einem Kaninchen der Verdacht auf Schnupfen besteht, sollte ein Antibiotigramm erstellt werden, damit der richtige Erreger und das passende Antibiotika ermittelt werden kann.

Die Sache mit dem Darm...

Der empfindlichste Punkt eines Kanichens ist mit Abstand der Darm. Viele Kaninchen sterben aufgrund von Aufgasungen, Trommelsucht, Magenüberladung, Blähungen etc. Kaninchen haben einen Stopfmagen, sie müssen ständig Futter aufnehmen (den Großteil in Form von Heu), damit der Nahrungsbrei im Darm weitergeschoben wird. Auffälligkeiten, dass etwas nicht stimmt, sind zum Beispiel Fressunlust, Apathie oder ein harter, dicker Bauch. In so einem Fall muss schnell gehandelt werden, nicht selten enden solche "Kleinigkeiten" für das Kaninchen tödlich.

Encephalitozoon cuniculi; e.c.; headtilt; Schiefhals

Dies sind einige der Namen für eine schwere und oft tödliche Krankheit bei Kaninchen. Sollten Symptome auftreten, muss schnell gehandelt und die richtigen Medikamente verabreicht werden. Die Behandlung muss mit folgenden Medikamenten erfolgen:

  1. Panacur (es tötet den Parasiten ab) (Wirkstoff: Albendazol, Fenbendazol)
  2. gehirngängiges Antibiotikum (in der Regel Chloramphenicol, kein Baytril)
  3. hochdosiertes Vitamin-B (Regeneration der Nervenbahnen)
  4. Cortison

RHD und Myxomatose

Diese beiden Impfungen sollten für jeden Kaninchenhalter Pflicht sein: RHD ist eine tödlich verlaufende Infektionskrankheit, die Impfung muss ein mal jährlich wiederholt werden. Myxomatose wird neben dem direkt Kontakt auch durch verunreinigtes Futter und durch Stechmücken übertragen. Die Impfung muss zwei mal im Jahr vorgenommen werden.

E.J