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Geschichte der Kampfhunde

Auf diesen Seiten werden Zusatzinformationen zum Heftartikel zur Verfügung gestellt, um dem interessierten Leser eine breitere Basis zur Bildung eines eigenen Urteils zum Thema „Kampfhunde“ zu bieten. Hier werden Einzelheiten zum Themenkreis „Geschichte der Kampfhunde“ präsentiert.

Ohne dass dazu allzuviel menschlicher Größenwahn notwendig wäre kann man sagen, dass Hunde Geschöpfte des Menschen sind. Selbstverständlich sind Hunde – ebenso wie alle anderen Tiere – das Ergebnis eines evolutorischen Prozesses, der über Variation und Selektion funktioniert. Allerdings sind diese Variation und Selektion in so einem großen Umfang durch den Menschen bedingt wie bei kaum einem anderen Lebewesen.

Deshalb ist die Geschichte des Hundes untrennbar mit der des Menschen verbunden. Und diese gemeinsame Geschichte ist schon sehr alt. Schon seit langer Zeit glaubt man, die Domestizierung des Hunde hätte vor 14000 bis 18000 Jahren begonnen. Spätere Forschungsergebnisse legten die Vermutung nahe, dass es eher 30000 Jahre sind. Eine molekularbiologische Analyse in den Neunzigerjahren deutet sogar darauf hin, dass die genetische Trennung vom Wolf – und damit die Domestizierung des Hundes - schon vor 135000 Jahren begonnen habe. Die ältesten Funde sind jedoch maximal 40000 Jahre alt und neueste genetische Untersuchungen stellen die Behauptung auf, der Ausgangspunkt der Domestizierung läge südlich des Jangste in China und höchstens 16300 Jahre zurück.

Damit ist der Hund das Tier, dass mit Abstand am frühesten domestiziert wurde. Laut Wikipedia folgt erst vor 10500 Jahren das Rind als nächste Art.

Selbstverständlich wurden Hunde damals nicht als Spielgefährten domestiziert. Damals waren die Zeiten ganz anders und ein Hund mußte von großem Nutzen sein, sonst hätte man ihn nicht mit durchgefüttert. Dieser Nutzen bestand darin, zu wachen, zu jagen, Herden zu hüten, aber er bestand auch damals schon darin, gegen wilde Tiere oder menschliche Feinde zu kämpfen.

Aus der Antike gibt es Zeugnisse von großen kräftigen Hunden an der Seite von Jägern, und der berühmte ägyptische König Tutenchamun ist ca. 1300 v. Chr. auf einer Abbildung mit großen und kräftigen Kriegshunden zu sehen. Zuerst in Griechenland und später insbesondere in Rom bildet sich der Begriff „Molosser“ heraus. Diese Rassen waren groß und kräftig und damit prädestiniert für Kämpfe. Sie wurden damals nicht nur in Kriegen und zur Grenzsicherung, z.B. am Limes, benutzt, sondern in Arenen auf Löwen, Tiger, Bären oder andere Hunde gehetzt. Der Barbar im Menschen machte damals nicht einmal davor Halt, z.B. im Rahmen der Christenverfolgung solche Hunde auf Menschen zu hetzen. Nach der Eroberung der britischen Inseln wurde der englische Mastiff nach Rom importiert und gelangte dort zum zweifelhaften Ruf des Bezwingers der römischen Molosser.

Der Bulldog als enger Verwandter des Mastiff wurde 1630 in England erstmals erwähnt und in Bullenkämpfen eingesetzt. Diese Bullenkämpfe, in denen einzelne oder mehrere Hunde auf Bullen gehetzt wurden, erlebten ihren Höhepunkt in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und waren ein skrupelloses Volksvergnügen.

Die Geschichte der Rassen, die heute unter den Begriff Kampfhund im engeren Sinne fallen, also insbesondere der Bullterrier, der Staffordshire Bullterrier, der American Staffordshire Terrier und der Pitbull Terrier, beginnt Anfang des 19. Jahrhunderts. Als 1835 in England Tierkämpfe verboten wurden, führte dies, wie so oft, nicht zum Aussterben dieses grausamen Volkssports, sondern nur zu dessen Abwanderung in die Illegalität. Da man nun im Verborgenen agieren mußte, mußte alles kleiner werden, um unauffälliger zu sein. Die Hunde wurden also nicht mehr auf Bullen, sondern auf Ratten, Dachse, Hähne oder andere Hunde gehetzt. Für diese Art Kampf waren aber Bulldoggen zu massig und unbeweglich. Deshalb wurde der leichtere und wendigere Terrier und noch andere Rassen eingekreuzt. So entstand das, was „Bull and Terrier“ genannt wurde. Für Kämpfe gegen Ratten und Dachse wurden kleinere wendigere Hunde gezüchtet, für Kämpfe Hund gegen Hund jedoch eher größere. So entstanden bis Mitte des 19. Jahrhunderts unabhängig voneinander die kleineren Bullterrrier und die etwas größeren Staffordshire Bull Terrier. Ihr Heimat war die damals unter elenden Bedingungen lebende Arbeiterklasse. Folglich lebten beide Rassen in beengten Verhältnissen mit ihren Familien. Ihre Kinderfreundlichkeit war deshalb zwingend notwendig und legendär, weshalb sich vor allem für die Staffordshire Bullterrier die Bezeichnungen Nursmaid Dog und Nanny Dog einbürgerten. Befanden sich diese Hunde in der Pit (englische Bezeichnung der Kampfarena), so waren sie gnadenlose Gegner ihrer Artgenossen. Aber selbst dort durften sie keinerlei Aggression gegen Menschen zeigen. Denn die Hundeführer und Schiedsrichter mussten in Hundekämpfen natürlich oft eingreifen, um die Tiere voneinander zu trennen, wenn sie sich ineinander verbissen hatten. Ein Tier, das in dieser Situation den Schiedsrichter oder Hundeführer angegriffen hätte, wäre völlig untauglich gewesen. Deshalb wurden Hunde, die Aggressionen gegen Menschen zeigten, von der Zucht ausgeschlossen.

Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse wanderten im 19. Jahrhundert, viele Engländer in die USA aus. Selbstverständlich nahmen die ihre Hunde mit. In den Staaten mussten die Hunde dann oft andere Anforderungen erfüllen. Egal ob es darum ging, auf den Höfen der Neuen Welt Vieh einzufangen, Diebe zu verscheuchen oder wilde Tiere zu bekämpfen: Etwas mehr Größe war jetzt vorteilhafter. Folglich wurden die Tiere mit anderen Rassen gekreuzt. So entstand auf Basis des Staffordshire Bullterriers ein neuer Typ Hund, den man als Pitbull-artig bezeichnen kann. Dieser mußte zu den Gründerzeiten, ebenso wie die Menschen, harte Arbeit leisten. Die Hunde lebten auf abgelegenen Höfen oft in großer Nähe zu ihren Menschen. Da sie so friedlich und gleichzeitig nützlich waren, wurden sie sehr populär und so etwas wie der Nationalhund der USA.

Quelle: Steinfeldt

Die Anhänger der Pitbull-artigen Hunde spalteten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf in zwei Gruppen: Die einen entwickelten sich zu entschiedenen Gegnern von Hundekämpfen. Sie bildeten die Rasse des American Staffordshire Terrier heraus. Die anderen, vertreten durch den United Kennel Club, hielten an Hundekämpfen fest. Deren Hund war der Pitbull Terrier. Allerdings muß erwähnt werden, dass heute der United Kennel Club „jeden Hund und/oder dessen Besitzer ausschließt, der an Hundekämpfen beteiligt ist“ (Steinfeldt).

Kennzeichnend für alle 4 Rassen, die heute als Kampfhunde im engeren Sinne bezeichnet werden, ist also die besondere Nähe zu ihren Menschen. Und natürlich die Tatsache, dass manche von ihren Menschen zu schrecklichen Tierkämpfen mißbraucht wurden. Aber auch, dass sie trotzdem keinesfalls aggressiv gegen Menschen sein durften.

Da überrascht es doch ein wenig, dass andere Rassen, wie z.B. der Deutsche Schäferhund oder der Dobermann, die auch heute noch als Schutzhund, und damit ausdrücklich zum Kampf gegen Menschen, trainiert werden, in der Öffentlichkeit ein deutlich besseres Image haben. Dazu trägt neben den Medien sicherlich auch die Film- und Fernsehindustrie bei, welche die Vorurteile gegenüber den Kampfhunden aufgreift und diese häufig in negativem Kontext zeigt. Während sich z.B. hinter dem bekannten 'Kommissar Rex', welcher unermüdlich für das Gute kämpft, ein deutscher Schäferhund verbirgt, werden Staff&Co fast immer in negativen Zusammenhängen gezeigt. Sie sind in der Regel nur kurz, aber unübersehbar in der Begleitung von meist zwielichtigen Gestalten oft knurrend und zähnefletschend zu sehen, was beim Zuschauer, der dieses Bild unbewußt wahrnimmt, sicherlich keine positiven Assoziationen hervorruft. Abgesehen von der Serie 'Die kleinen Strolche' gibt es wohl keinen Film/Serie in der Staff&Co eine positiv besetze Rolle einnehmen. Auch entsprechen Staff&Co nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal. Man muß schon zweimal hinsehen und alte Vorstellungen über die Schönheit von Hunden aufgeben um sich für Aussehen begeistern zu können.

Quellen:

- Stefan Burkhart: Das Pitbull-Syndrom

- http://de.wikipedia.org/wiki/Domestizierung

- http://de.wikipedia.org/wiki/Haushund

- Andrea Steinfeldt: „Kampfhunde“ Geschichte, Einsatz, Haltungsprobleme von „Bull-Rassen“ - Eine Literaturstudie –. Hannover 2002.

(http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/steinfeldta_2002.pdf)